Schlagwort-Archiv: Freie Hörspielszene

Ausschreibung für „pressplay 3“ – die Anthologie der freien Hörspielszene

Der mairisch-Verlag bringt eine dritte Ausgabe der Hörspiel-Anthologie „pressplay“ heraus und lädt alle freien Hörspielmacher/-innen ein, ihre Produktionen für die Zusammenstellung der neuen MP3-CD einzureichen. Alle Infos zur Ausschreibung und das Formular zum Einreichen der eigenen Produktion gibt es hier als PDF-Dokument.

Der Verlag schreibt zum Hintergrund der „pressplay“-Anthologie, die wieder aktuelle Tendenzen, Stile, Genres, Produktionsverfahren, Themen und Formen des freien Hörspiels im deutschsprachigen Raum aufzeigen will:

„Mit den ersten beiden Ausgaben pressplay (2006) und pressplay 2 (2008) konnten wir erstmals einen gebündelten Überblick über das Schaffen und die Entwicklung freier Hörspielmacher im gesamten deutschsprachigen Raum geben. Dies wurde so vorher noch nie gemacht – entsprechend groß war die Resonanz bei Presse, Redakteuren und Hörern: „Die freie Hörspielszene lebt!“, hieß es etwa bei Deutschlandradio Kultur. Mit pressplay 3 wollen wir den Stand der Dinge 2012 zeigen. Wir sind gespannt.“ [mairisch-Verlagsblog, 13.12.2011]

Der Einsendeschluss ist der 29. Februar 2012,
Ansprechpartner beim Verlag ist der Herausgeber Claes Neuefeind.

[via blog.mairisch.de]

Rezensionen zum Sammelband „Hörspielplätze“

Zur Neuerscheinung „Hörspielplätze. Positionen zur Radiokunst“ (hrsg. von Hörspielsommer e. V.) gibt es inzwischen zwei Rezensionen. Martin Becker hat den Band für das Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur besprochen:

„Der ‚Leipziger Hörspielsommer‘ ist einer der wichtigsten Tummelplätze für alle, die mit Hörspiel zu tun haben. Die Neuerscheinung resümiert die Geschichte des Festivals. […]

Vielfältig sind die ‚Hörspielplätze‘, man kann Stücke hören, zu denen es sonst keinen Zugang gibt – weil sie unveröffentlicht sind oder nie gesendet wurden. Mal sind die Arbeiten clean produziert und professionell gesprochen, mal sind sie wüst und ungehobelt. […]

Alle Produktionen auf der ‚Hörspielplätze‘-CD kommen aus der freien Szene, das heißt: Sie sind nicht in den Studios der Rundfunksender entstanden, sondern in der eigenen Wohnung, am eigenen Küchentisch, im eigenen, kleinen Aufnahmeraum. Sie klingen deshalb nicht zwangsläufig amateurhaft. Aber haben oft den Charme des Improvisierten – weil sie ohne Budget, ohne teures Tonstudio, ohne große Schauspieler auskommen müssen. Oft stimmt dafür aber die Energie […]

Das Schöne an den ‚Hörspielplätzen‘: Theorie und Praxis stehen gleichwertig nebeneinander. Die CD am Stück zu hören wäre eindeutig zu viel. Ebenso verhält es sich mit dem Buch: Natürlich liest man sie gern, die Protokolle der Podiumsdiskussionen von Redakteuren, Regisseuren und freien Hörspielmachern, natürlich ist es spannend, sich mit kulturwissenschaftlichen Aspekten des Hörspiels auseinander zu setzen – aber nach einem mitunter verkopften Beitrag freut man sich wieder über ein sperriges, ungebändigtes Stück Gegenwartshörspiel […].“ (DKultur, 8.7.2011)

Ralf Julke schreibt in seiner Rezension für die Leipziger Internetzeitung:

„So unüberbrückbar wie noch vor zehn Jahren sind die Unterschiede zwischen der Produktion der Sender und der der freien Autoren nicht mehr. Und so bildet dieses Buch auch gleich ein halbes Dutzend intensiver Diskussionen ab, bei denen die Veranstalter des Hörspielsommers ebenso zu Wort kommen wie die Autoren der freien Szene und Vertreter der öffentlichen Radios. Dabei geht es um die Produktionsbedingungen, die natürlich für viele freie Hörspielproduzenten reine Selbstausbeutung sind. Ohne Garantie für einen finanziellen Erlös irgendeiner Art. Denn die möglichen Hauptabnehmer für Hörspiele sind auch heute noch jene öffentlich-rechtlichen Radiosender, die auch über die gut ausgestatteten Studios verfügen und selbst Hörspiele für ihren Bedarf produzieren. Zumeist in klar definierten Genre-Grenzen mit knapp kalkulierten Studiozeiten und professionellen Regisseuren. […]

Doch die Diskussionen und Essays in diesem Buch zeigen auch, dass sich die Landschaft noch immer verändert, dass über Distributionswege und neue Wege zu öffentlicher Wirksamkeit recht intensiv nachgedacht wird. […]

Es ist ein Buch, das die Sorgen, Möglichkeiten, Freuden und Spielräume der heutigen Hörspiel-Kunst ausleuchtet. Ein Buch, das schon im Layout signalisiert: hier wird gearbeitet und diskutiert. […]

Diese Diskussion mit den Künstlern der freien Hörspielszene wird auf jeden Fall noch weiter gehen. Die Entwicklungen im Internet werden sie befeuern.“ (L-IZ, 13.6.2011)

Der „aufmerksame Hörer“ – Zum Diskurs über das Hörspiel- und Radio-Hören

Der ideale Hörspiel-Hörer

Aus der Sicht einer Hörspielredaktion im öffentlich-rechtlichen Hörfunk könnte der ideale Hörer so aussehen:

Er informiert sich im Programmheft der Redaktion, das er abonniert hat, auf der Website des Senders, die er regelmäßig besucht, oder im Newsletter, den die Redaktion verschickt, über die kommenden Sendungen und ihre Autoren, Produzenten, Regisseure, Genres, Themen und Inhalte. Die Sendetermine der Hörspiele hält er sich frei, damit er die Ausstrahlung – vor allem der Ursendungen – nicht verpasst und sich von der ersten bis zur letzten Minute auf die Sendung konzentrieren kann. Das Hörfunkprogramm, das die Hörspielproduktionen ausstrahlt, hört er sowieso jeden Tag; die Frequenz des Programms hat er fest abgespeichert. Deshalb ist er pünktlich zum Beginn der Anmoderation des Hörspiels zur Stelle, um vorab die wichtigsten Informationen zum Stück und den Hörspielmachern aufzunehmen, bevor das Hörspiel beginnt.

Wenn die Sendung läuft, gilt dem Hörspiel seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Er ist voll konzentriert. Er sitzt lange Zeit entspannt, still und aufmerksam – wie er es aus dem Theater, dem Programmkino, der Oper oder dem Konzert mit Symphonieorchester, Kammermusikensemble oder Solisten gewohnt ist. Er würde nicht auf den Gedanken kommen, sich während der Sendung längere Zeit zu unterhalten, nebenbei in der Zeitung zu lesen oder zu kochen und dabei mit den Küchenutensilien zu klappern.

Sein bequemer Sitzplatz bildet mit dem linken und rechten Lautsprecher seiner Hi-Fi-Anlage ein gleichseitiges Dreieck („Stereodreieck“), an dieser Stelle im Raum („Sweet Spot“) sitzend kann er die stereophone Gestaltung des Stücks optimal nachvollziehen. Oft benutzt er auch einen Kopfhörer, der auch deshalb in Reichweite liegt, weil gelegentlich ein Hörspiel oder eine Klangkunst-Produktion in Kunstkopf-Stereophonie gesendet wird, das er nur mit dem Kopfhörer adäquat abhören kann. In den letzten Jahren wurden zudem einzelne Hörspiele und Radiokonzerte in Surround-Sound produziert und ausgestrahlt, deshalb hat er sich inzwischen auch einen Surround-Decoder und entsprechende Lautsprecher gekauft, die um seinen Sitzplatz herum aufgestellt sind.

Wenn die letzten Worte der Absage („eine Produktion des … aus dem Jahr …“) verklungen sind und das Hörspiel zu Ende ist, schaltet er nicht aus, sondern hört sich auch das Nachfolgende an: den Programmhinweis auf die nächste Sendung, die Informationen über öffentliche Hörspiel-Veranstaltungen und -Festivals (die er gerne gemeinsam mit anderen Hörspiel-Interessierten besucht), die Hinweise auf das Programmheft und das Online-Angebot, die vom Redakteur für die Zeit bis zum Beginn der Nachrichten bzw. der nachfolgenden Sendung passend zum vorangehenden Stück ausgewählte Musik, das „Geräusch des Monats“, die Laudatio auf das prämierte Stück, die anschließende Preisrede des Hörspielmachers, das Interview mit dem Autor/Regisseur/Redakteur des Hörspiels oder auch das längere Gespräch mit einem Experten für das Stück, das Genre, den Künstler oder die Epoche der Radio-/Hörspielgeschichte, in der die Produktion entstanden ist.

Hat er einmal ein Hörspiel verpasst oder möchte das Stück ein zweites Mal hören, ruft er die Website der Redaktion auf und nutzt den Audio-Stream, das Radio-on-Demand-Angebot oder den MP3-Download des einen oder anderen Hörspiels, das er dann konzentriert über Kopfhörer oder seine Hi-Fi-Anlage abhört. Einige Hörspielredaktionen (WDR, BR) bzw. Sendereihen („artmix“, „Wurfsendung“, „Geräusch des Monats“, „Alpha 0.7“, „ARD-Radio-Tatort“) bieten Produktionen als Podcast an, diese Angebote hat er inzwischen abonniert und in seine Podcatcher-Software integriert, sodass neue Sendungen automatisch auf seinen Computer heruntergeladen werden.

Auf den Webseiten der Hörspielredaktion und im Anhang des Programmhefts informiert er sich über diejenigen Produktionen, die auf Tonträger veröffentlich werden – immer wieder kauft er sich solche Hörspiel-CDs, um die Sendungen, die ihm besonders gut gefallen haben und besonders wertvoll erscheinen, zu einer beliebigen Zeit unabhängig vom Radioprogramm noch einmal hören zu können. Er bleibt seinem regionalen Programm und dem Hörspielangebot seiner Landesrundfunkanstalt treu, aber er hört auch die überregionalen Kulturradioprogramme und die vielen Hörspiele in ihrem Programmangebot.

So könnte sie aussehen – die Mediennutzung des idealen Hörspiel-Hörers. Aber: Gibt es überhaupt (noch) solche Rezipienten, die sich in dieser intensiven Weise – konzentriert zuhörend – den langen künstlerischen Sendungen des Hörfunks widmen? Oder nimmt die Zahl der Hörer, die dem Medium und seinen radiophonen Sendeformen insbesondere eine solch intensive Aufmerksamkeit durch langes, konzentriertes Hören entgegenbringen (wollen), ständig weiter ab? […]

Auszug aus:
Frank Schätzlein: Der „aufmerksame Hörer“ – Zur Diskursgeschichte des Hörspiel- und Radio-Hörens. In: Hörspielplätze. Positionen zur Radiokunst. Hrsg. von Hörspielsommer e. V. Dresden: Voland & Quist 2011, S. 88-102.

Textauszug und Vorschau bei Google Books und Amazon;
ausführliche Informationen zu diesem Sammelband gibt es hier im Weblog.

Neuerscheinung: „Hörspielplätze. Positionen zur Radiokunst“

Der vor einigen Monaten hier im Weblog angekündigte Sammelband „Hörspielplätze“ mit Beiträgen zum Hörspiel, zur freien Hörspielszene und zur Radiokunst ist inzwischen erschienen. Die Publikation wurde vom Hörspielsommer e. V. im Verlag Voland & Quist herausgegeben und beinhaltet auch eine MP3-CD mit insgesamt 16 Hörspielen, die beim Leipziger Hörspielsommer in den Jahren 2003 bis 2010 prämiert wurden.

Der Band enthält im Einzelnen folgende Aufsätze:

— Anja Frank, Twyla Chantelau, Tina Klatte: Einleitung (S. 11-23)

1. Ein Amateur liebt, was er tut. Hörspiel zwischen Sendeanstalt und Heimstudio
— Johannes Lindenlaub: Ein Wechselbad entspannender Gefühlslagen. Auf der Suche nach der ganz speziellen Hörspielsommeratmosphäre (S. 26-37)
— Simone Schütz: Im Schatten des Sendemastes. Eine kleine Geschichte der freien Hörspielszene (S. 38-51)
— Podiumsdiskussion: Etablierte und Außenseiter. Zum Verhältnis von Profis und Amateuren in der Hörspielproduktion (S. 52-77)
Mit Christoph Bungartz (Moderation), Luise Boege, Sophia Littkopf, Steffen Moratz, Melanie Ott, Paul Plamper und Beiträgen aus dem Publikum
— Katrin Zipse: Selbstausbeutung, Selbstbespaßung. Produktionsbedingungen der freien Hörspielszene (S. 78-85)

2. Ein Wort ins Ohr gepresst. Hörsituationen
— Frank Schätzlein: Der „aufmerksame Hörer“. Zur Diskursgeschichte des Hörspiel- und Radio-Hörens (S. 88-101)
Podiumsdiskussion: Leben und Hörspielen im Zeitalter der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne (S. 102-133)
Mit Christoph Bungartz (Moderation), Hermann Bohlen, Helgard Haug, Torsten Michaelsen, Regina Randhofer, Frank Schätzlein, Julia Tieke und Beiträgen aus dem Publikum
— Wolfgang Hagen: Nur ganz kurz. Anmerkungen zu den kürzesten Hörspielen („Wurfsendungen“) (S. 134-141)

3. Im ästhetischen Zwischenraum. Theoretische Betrachtungen
— Barbara Büscher: Radiophone Ereignisse: Zum Verhältnis von Live-Aufführungen und medialen Aufführungsformaten (S. 144-157)
— Michael Wehren: „Gemeinschaftsarbeit“. Aufmerksamkeit, Geste und Hör-Spiel bei Brecht und LIGNA (S. 158-171)
— Eva Gruber: Das Hörspiel im Spiegel des „Acoustic Turn“. Kulturwissenschaftliche Perspektiven (S. 172-184)

Anhang
— Verzeichnis der Autoren und Diskussionsteilnehmenden (S. 187-191)
— Die ausgezeichneten Stücke des Hörspielwettbewerbs des Leipziger Hörspielsommers (S. 193-211)
Angaben zur CD (S. 213)

Voland & Quist stellt die Einleitung des Bandes als Leseprobe zur Verfügung:

Hörspielsommer e. V. (Hrsg.): Hörspielplätze. Positionen zur Radiokunst. Dresden: Voland & Quist 2011. ISBN: 978-3-938424-86-5, 214 S. + CD
Textauszug und Vorschau bei Google Books und Amazon
Kaufen bei Buchhandel.de, Amazon, Buecher.de, Buch.de, Buchkatalog.de, Libri oder direkt beim Verlag Voland & Quist